Bildrechte: Noktalia http://www.flickr.com/photos/noktalia/

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Die Falken Oberhavel zeigten wieder, dass sie da sind!

Nach der Teilnahme am Kiezfest (09.06.2012) und am Stadtfest (16.06.2012) waren wir nun Veranstalter einer Geschichts- und Informationsveranstaltung. Knapp zwei Stunden lang referierte Michael Dehmlow über die wechselvolle Anfangszeit der Falken beginnend im Jahre 1904 bis zum Ende des deutschen Faschismus 1945.

Interessant waren natürlich die vielen Spaltungen und Entwicklungen hin zu den Falken, gerade in den ersten Jahren. Spannend waren die Konzepte der damaligen Falken-Vorgängerorganisationen, wonach es keine Geschlechtertrennung in den Lagern gab, sowie der klar auf Sozialismus ausgeprägte Kurs. Gerade das stieß zu der Zeit auf große Empörung.  Dehmlow zeigte auch, wie der Umgang innerhalb der verschiedenen Bünde mit der KPD, den „Linksabweichlern“ innerhalb der SPD und auch gegenüber der NSDAP war. Der Weg hin zu Widerstandshandlungen dauerte lang und erst ab 1929/1930 wehrte mensch innerhalb der sozialistischen Vereinigungen auch körperlich gegen SA-Angehörige. Leider, so auch eine Kritik von Dehmlow, gab es zu wenig Kontakt Bemühungen zu anderen linken antifaschistischen Verbänden bestehend aus kommunistischen, anarchistischen oder anarchosyndikalistischen Verbänden. Beziehungsweise, wenn es welche gab, wurde dies von den sozialistischen Dachverbänden mit Ausschluss bestraft.

Im Hauptteil der Veranstaltung ging er auf die vielfältigen kleinen Widerstandshandlungen ein. Ob es Propaganda in Form von Farbe mit Schablonen auf Straßen war, kleine Schnipsel oder einfach nur Zeitungen zum lesen – die Falken riskierten ihr Leben und leisteten Widerstand gegen den Faschismus. Exemplarisch zeigte Dehmlow den Widerstand in und um Hannover, wobei viele der damaligen Kämpfer*innen frühzeitig gefasst und ins KZ Sachsenhausen verbracht wurden. Auch zeigte er Verbindungen der damaligen Falken-Vorgängerorganisation zu bekannteren Widerstandsgruppen, wie der „Roten Kapelle“.

Als bekannte Persönlichkeiten der „Falken im Widerstand“ stellte er unter anderem Willy Brandt und Anton Schmaus vor. Der Name Anton Schmaus ist im vergangenen Jahr mehrfach auch bundesweit in der Presse erschienen. Hintergrund waren zwei Brandanschläge auf das Falkenhaus in Berlin-Neukölln, welches nach Anton Schmaus benannt ist. Anhand dieses Namens ist erkennbar – Falkenarbeit im Jahr 2012 hat immer noch die Pflicht sich gegen Faschismus und Ausgrenzung zu stellen, auch über den eigenen, sozialistischen Tellerrand hinaus.

Wir freuen uns schon auf weitere Veranstaltungen:

16.10. „Nationalismus. Alles Party, oder was?“ – Vortrag und Diskussion mit der Natufreundejugend Berlin

12.11. „Antisemitismus Heute“ – Vortrag und Diskussion mit Tobias Jaecker

26.11. Emanzipatorische Räume für Nazis?

17.12 „Wat’n hier los?“: Neonazismus in Oberhavel – ein Vortrag von lokalen Antifaschist*innen